Der erste Eindruck zählt.

Egal ob wir neue Leute kennenlernen oder eine Webseite betrachten, immer gilt “der erste Eindruck zählt” und diesen ersten Eindruck fällen wir oft binnen weniger Momente. Um genau zu sein reichen bei Webseite bereits die ersten 50 Millisekunden (Lindgaard et al. 2006). 50 Millisekunden – das ist die Zeit, in der wir Informationen nur präattentiv wahrnehmen und noch nicht bewusst verarbeiten. Der Entscheid, ob wir eine Webseite als ästhetisch empfinden wird also zunächst unbewusst getroffen.

www.repower.ch: Eyetracking über 2 Sekunden (Gazeplot)

www.repower.ch: Eyetracking über 2 Sekunden (Gazeplot)

Erhöht man die Zeitspanne, in der wir die Webseite betrachten, so kommen die ersten bewussten Bewertungen hinzu: Wir versuchen einzuschätzen, wieviel Aufwand wir benötigen, um auf der Webseite Informationen zu finden oder Handlungen durchzuführen. Im Rahmen unserer UX-Studie haben wir, wie z.B. auch Lindgaard et al. (2006), mit dieser Zeitspanne ein wenig experimentiert: Unser Ziel war es, über die präattentive Wahrnehmung hinaus auch die Wahrnehmung von Marke und Branche zu ermitteln und gleichzeitig ein paar Erkenntnisse über den Blickverlauf der Probanden zu sammeln. Zu diesem Zweck haben wir zunächst ein paar informelle Pretests durchgeführt, bei denen sich gezeigt hat, dass eine Zeitspanne von zwei Sekunden grundsätzlich ausreichend ist, um Marke und Branche zu erkennen. Dennoch ist die Zeit zu knapp, um beispielsweise lange, unbekannte Firmennamen zu lesen, Akronyme zu memorieren oder komplexe Informationen zu verarbeiten. Einfach gesagt: Die Zeitspanne von zwei Sekunden ist anscheinend ein guter Indikator, ob die Markenkommunikation (auf Anhieb) funktioniert.

Spätestens im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen hat sich dieser Eindruck bestätigt: sowohl bei der Online-Umfrage mit 87 Teilnehmern als auch bei der Eyetracking-Studie mit 8 Teilnehmern in einer kontrollierten Laborumgebung wurden bekannte Marken wie Migros, Mc Donalds und Liebherr fast immer erkannt. Weniger bekannte Marken wurden dagegen teils sehr gut erkannt, teils sehr schlecht. Die Position des Logos spielt hierbei überraschenderweise keine Rolle – wie die Eyetracking-Studie gezeigt hat. Unabhängig davon, ob das Logo links oben, rechts oben oder sogar auf halber Höhe in der Seite oder mittig eingebunden ist: Der Blick der Testpersonen wandert in der Regel binnen einer Sekunde direkt auf das Logo und verweilt dort. Ob das Logo richtig erkannt wird, hängt aber nicht direkt von dieser Verweildauer ab: Ursächlicher scheinen Faktoren wie die gestalterische Prominenz des Logos und natürlich die Bekanntheit.

LogoDetection

Ein weiterer interessanter Fakt liegt darin, dass die Ergebnisse der Online-Studie und der Eyetracking-Untersuchung mit einer Standardabweichung von durchschnittlich nur 0.1 (bei einer Skala von 1-5) weitestgehend übereingestimmt haben. Bestätigt sich das in weiteren Studien, so kann man grundsätzlich beide Methoden für  die durchgeführten Untersuchungen einsetzen, also im Zweifelsfall auch mit der weitaus günstigeren Online-Methode erste Erkenntnisse sammeln und ein weitaus breiteres Publikum erreichen. Im Labor kann man die Ergebnisse dann weitaus gezielter hinterfragen, womit sowohl Zeit und Geld gespart werden können. Für uns auf alle Fälle ein Grund, weiterhin zu experimentieren und unsere Kunden von unseren Erkenntnissen profitieren zu lassen.

Wer sich für die Ergebnisse und die exakte Methodik interessiert, kann die Studie unter nam.to/ux-energie kostenfrei anfordern.

Lindgaard G., Fernandes G. J., Dudek C. & Brown J. (2006). Attention web designers: You have 50 milliseconcs to make a good first impression. In: Behaviour & Information Technology, Volume 25, Nr. 2., S. 115 – 126.

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