Tÿpo St. Gallen, 2nd take

“Gibt es sie überhaupt noch, die typische schweizer Typografie?” Unter diesem Motto fand letztes Wochenende die erste Typo-Convention in St. Gallen statt. An 3 Tagen wurde diese Frage in einer teilweise erschöpfend gründlichen Weise beantwortet, die ich bisher eher als “typisch deutsch” einordnen würde, die seinen Ursprung jedoch im Handwerk selbst vermuten lässt. Typografie ist für die meisten eher ein unglamuröses Kellerkind des Designs und so war die Freude über den Andrang gross genug, um sich in jeder Laudatio der Veranstalter überdeutlich widerzuspiegeln. Da war die notwendig humoristische Moderation von Clemens Schedler eine Wohltat.

Schauplatz des Ganzen war die St. Gallener GBS, die schon wacker für jeden Besucher Säcke mit Flyern und Werbung gepackt hatte. Später am Abend gesellte sich im Rahmen einer Vernissage auch noch das Büchlein “ABC eines Typografen” von Jost Hochuli dazu. Ein Super Gimmick wie sich im Nachhinein herausstellte. Zeit zum Lesen und stöbern gabs jedoch zwischen den recht eng gepackten Vorträgen nicht. Begleitet von einem traditionellen Hackbrettspieler, mehreren Laudatoren und Wein konnte der erste Abend schliesslich ausklingen.

Es war nicht nur für die Veranstalter eine Premiere, sondern auch für mich die erste Typomesse überhaupt. Um es vorweg zu sagen: mir fehlte für die Ehrfurcht vor einigen “Typogrössen” schlicht das Wissen über selbige. Das macht vielleicht auch den Kopf frei für das erhoffte Vermitteln von Wissen und Inspiration für den Designalltag. Zwei Vorträge fielen in dieser Hinsicht besonders positiv ins Auge: “Swissmiss” Tina Eisenbaum inspirierte uns in 8 Grundsätzen für ein glückliches Designerleben und der Wichtigkeit verrückter Tanten und Nebenprojekte:

Auch Jan Middendorf hielt einen sehr klar strukturierten und interessanten Vortrag über den Sinn von Design.
Daneben gab es Vortragende, die interessante Einblicke in ihre Arbeit zeigten: Ralph Schraivogel (Postergestaltung), Romano Hänni (Zeitungslayout)  und Gabriele Wilson (Buchcover Design) fand ich sehr zugänglich und aufschlussreich.

Die restlichen Dozenten referierten auf recht anspruchsvollem Level über die Feinheiten der Schriftgestaltung sowohl vom handwerklichen, als auch aus der theoretischen Perspektive. Von sehr akademischen Vorträgen bis zu Anekdoten wurde sehr viel Wissen vermittelt. Die “Schrulligkeit” einiger Vortragenden ist eventuell symptomatisch für die ganze Branche. Ich fand das vermittelte Wissen teilweise unnötig sperrig und unzeitgemäss präsentiert, gerade die älteren Semester hatten z.T. Probleme sich an die Redezeiten zu halten, oder die Technik zum Gehorsam zu zwingen.

Wenn man denn zur Pause herauskam, gab es einen Imbiss und gute Shorley. Eine winzige Auswahl an Ständen und zwei Verlage boten ihre Produkte feil. Mit nur einem Vortrags-Track und ohne mediale Aufbereitung als Videos zum Download für alle, sowie dem wirklich nicht besonders guten Catering zu Mittag und Abend bleiben formal sicherlich noch einige Bereiche, die nächstesmal besser gemacht werden können. Unterm Strich war die Messe jedoch interessant genug, um sie weiter zu supporten. Nach dem offensichtlichen Aufhänger “typisch Schweizer Typo” bin ich gespannt, was sie sich nächstes Mal als Motto ausdenken werden. Trotz der Ecken und Kannten dennoch ein lohnendes Wochenende.

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